ADHS wurde lange Zeit fälschlicherweise als eine reine Entwicklungsstörung der Kindheit abgetan. Entsprechend lagen Diagnose und Therapie ausschließlich in den Händen der Jugendmedizin. Heute steht jedoch fest: Rund zwei von drei Betroffenen nehmen die entsprechenden Hürden mit ins Erwachsenenleben.
Die Ursachen liegen zu einem großen Teil in den Genen, weshalb ADHS oft ganze Familiensysteme betrifft. Ein typisches Szenario für eine spätere Diagnose: Eltern erkennen die Symptome zuerst bei ihren Kindern und bemerken dadurch, dass sie selbst seit Jahren mit denselben Mustern leben.
Der Begriff „Aufmerksamkeitsstörung“ greift zudem deutlich zu kurz. Die Auswirkungen zeigen sich individuell völlig unterschiedlich – das Spektrum reicht von Konzentrationsschwächen und Reizüberflutung bis hin zu Schwierigkeiten bei der Selbstregulation, dem Zeitmanagement oder dem Planen von Aufgaben.
Die Behandlung von ADHS im Erwachsenenalter erfolgt bei uns in einem multimodalen Therapieansatz. Gemäß den medizinischen Leitlinien setzt sich eine wirksame Behandlung meist aus folgenden Säulen zusammen:
1. Pharmakotherapie:
Medikamente gelten bei moderater bis schwerer ADHS im Erwachsenenalter oft als Basis, da sie das neuronale Ungleichgewicht der Botenstoffe (vor allem Dopamin und Noradrenalin) im Gehirn regulieren. Sie heilen ADHS nicht, reduzieren aber die Symptomlast spürbar und schaffen oft erst die Grundlage dafür, dass Verhaltenstherapie und Alltagsstrategien greifen.
2. Psychotherapie:
Während Medikamente die biologische Komponente adressieren, hilft die Psychotherapie dabei, gelernte Verhaltensmuster und emotionale Blockaden aufzuarbeiten. Psychotherapie beinhaltet u.a. Psychoedukation, Arbeit an Emotionsregulation und Selbstwert. Wir haben eine spezialisierte ADHS-Gruppe im Therapieplan.
3. ADHS-Coaching & Soziotherapie:
Hier geht es konkret um die Bewältigung des Alltags und die Strukturierung von Aufgaben.